20.05.2010

Zurück aus der Anstalt

Seit einigen Tagen bin ich nun wieder heimgekehrt und will sehen, ob mein Gedächtnistraining Früchte getragen hat, in dem ich euch von meinem Aufenthalt in der "Anstalt" sprich Rehaklinik berichte.
Nun gab es wieder eine kleine Unterbrechung, weil mir mein PC einen kleinen Schreck eingejagt hat und mich glauben lassen wollte, dass alle meine Fotos weg sind. Aber mein Sohn hat alles wieder hinbekommen und nun geht es weiter. Schließlich möchte ich euch im Anhang mit ein paar Fotos beglücken, woll?

Die Reha Klinik Plau am See heißt sicher so, weil man durch Plau Richtung Quetzin fahren muss und "Quetzin" kennt kaum einer. Aber sie liegt idyllisch unweit vom Plauer See ntfernt und hat auch gleich ein Krankenhaus mit eigenem Hubschrauberlandeplatz dabei. Das wiederum hatte zur Folge, dass man manchmal täglich durch landende und startende HS bzw. ihren damit verbundenen Lärm gestört wurde. Aber interessant war es schon.

Nun aber zu mir und meinen verordneten Behandlungen. Zu meiner Diagnose will ich hier nicht weiter eingehen, nur so viel - es war etwas neurologisches, soll heißen ich habs am Kopf, aber da bin ich, wie ich feststellen konnte, nicht die Einzige.

Also der Doc war auch ganz cool, ein kleiner mitdreißiger ausländischer Mitbürger mit dem verheißungsvollen Namen Al-Shamiri, der aber im Vergleich zu anderen ähnlichen Ärzten der Klinik sehr gut deutsch sprechen konnte und auch verstand, worum es geht.

Er verordnete mir nun folgende Behandlungen: Ultraschall für meine schmerzende Schulter, sozusagen als Zubrot, Gleichgewichtsschule, Wassergymnastik, Krankengymnastik (einzel), progressive Muskelrelaxation, Posturographie Diagnostik und Behandlung, Neuropsychologie, Krafttraining, Nordic Walking, Schultergymnastik, Gehirnleistungsdiagnostik und daraus resultierend Gedächtnistraining und die absolute Kröning war die Hydrojetmassage.

Also die Hydrojetmassage funktioniert folgendermaßen, man liegt auf einem warmen Wasserbett und von unten geht dann ein Hydrojetstrahl vom Kopf bis zu den Füßen mit einem vom Doc festgelegten Druck entlang. Natürlich war das für alle Patienten, die diese Verordnung hatten, das absolute highlight und besonders die Herren haben sich immer vorgenommen, statt auf dem Rücken, doch lieber auf dem Bauch zu liegen, aber keiner hat es sich je getraut. Sie hatten eben eine blühende Fantasie und der eine oder andere hat auch mächtig gestöhnt während der Behandlung. grins

Das war sowieso die beste Therapie, der Besuch im Raucherpavillon und die dort stattfindenden Gespräche bzw. Unterhaltungen; soll heißen lästern was das Zeug hält. Es kamen dort die unterschiedlichsten Typen und Charaktere zusammen, es wurden Geschichten erzählt, Witze gerissen und herzhaft gelacht.

Die Klinik ließ sich natürlich auch für die langen Abende was einfallen, wie der Auftritt der Linedancer, der Chirleader oder der Bauchtanzgruppe aus den umliegenden Orten. Diese Veranstaltungen, wie auch Disco oder Bauchredner, fanden in der Cafeteria statt, wo man u.a. auch ein gepflegtes Lübzer Pils oder einen trockenen Rot- und Weißwein bekam, obwohl in allen Unterlagen geschrieben stand, dass absolutes Alkoholverbot herrscht, hallo?

Bei meinem ersten kurzen Spaziergang am Ankunftstag, außerhalb des Klinikgeländes wunderte ich mich über die mit Wein-, Sekt- und Schnapsflaschen gefüllten Papierkörbe, aber nach den ersten paar Tagen war mir alles klar. grins

Nicht dass ihr denkt ich habe da mitgemacht, nur hin und wieder mal ein Gläschen Wein, was es ja offiziell im Hause gab und ich als Medizin verstand, gell?

Nun ja eine weitere lustige Angelegenheit war ja das Gedächtnistraining, an dem komischer Weise sehr viele meiner Rauchefreunde teilnahmen und der Spaß garantiert war.
Zuvor mussten wir aber besagte Gehirnleistungsdiagnostik über uns ergehen lassen. Die bestand aus einem 90ig minütigen Test, wo u.a. unser visuelles Gedächtnis, das logische Denken, das Kurzzeitgedächtnis usw. getestet wurden.
Zu Beginn wurde uns gleich gesagt, dass wir eh nicht alle Aufgaben schaffen werden und wir locker bleiben sollen.

Ich möchte nicht wissen, ob alle von euch Normalos das geschafft hätten, ich jedenfalls musste anschließend zum Gedächtnistraining. Die Sachen, die wir da gemacht haben, gibt es für Jedermann auch im Internet. (falls mal jemand üben möchte)

Nun wollt ihr sicher auch noch wissen was sich hinter Posturographie verbirgt.
Hierbei handelt es sich um die Gleichgewichtsdiagnostik und das Training für das Gleichgewicht.
Man stellte sich auf ein Wackelbrett, welches mit einem Computer verbunden ist und schaute einige Minuten auf den Bildschirm, dann musste man mit geschlossenen Beinen und Augen einige Minuten still stehen, bei mir hat es ganz schön gewackelt. Zum Glück stand Schwester Resi hinter mir, sonst wäre ich wohl umgefallen.
Nun ja, die Auswertung ergab, dass ich mein Gleichgewicht auf diesem Gerät trainieren sollte und das sah wie folgt aus: man steht also auf dieser posturographischen Plattform (ein großes dreieckiges Wackelbrett) und schaut auf den Bildschirm, auf welchem ein Kästchen erscheint. Mit Hilfe der Körperverlagerung muss man nun versuchen dieses Kästchen zu treffen, ist einem das gelungen, erschien besagtes Ding an einer anderen Stelle usw.
Wir nannten es Schiffe versenken. Eine Viertelstunde dauerte das Spektakel und nach den ersten Malen hatte ich ganz schön Muskelkater in den Beinen, aber es hat was gebracht.

Kommen wir nun zur progressiven Muskelrelaxantion (nach Jacobsen), das war auch etwas sehr angenehmes, zumal es im Liegen stattfand und manch einer ist dabei auch eingeschlafen.

Machen Sie bei jeder Anspannung und nach jedem Entspannen der Muskeln eine kleine Pause. (Finden Sie heraus welcher Rhythmus Ihnen am Besten hilft sich zu entspannen.)
Man liegt dabei also ganz bequem auf einer Liege oder Matte und die Therapeutin sprich tden folgenden Text und man muss diese "Übungen" ausführen.



Text zur Progressiven Muskelentspannung :


Spannen Sie Ihre rechte Hand an, indem Sie eine Faust machen.
Spüren Sie die Anspannung?
Beim nächsten Ausatmen lassen Sie wieder los.

Spannen Sie nun Ihren rechten Arm an, indem Sie Ihn leicht anwinkeln.
Fühlen Sie die Anspannung im Oberarm?
Halten Sie die Spannung kurz und entspannen Sie wieder.
Spüren Sie wie sich der Arm wieder entspannt, immer mehr und mehr?

Machen Sie nun mit Ihrer linken Hand eine Faust.
Mit dem nächsten Ausatmen lassen Sie wieder los.
Lassen Sie die Muskeln in der Hand ganz locker werden.

Spannen Sie jetzt Ihren linken Arm an, indem Sie Ihn leicht anwinkeln.
Fühlen Sie die Anspannung?
Nun lassen Sie wieder los.

Kommen wir nun zum Gesicht.
Spannen Sie Ihre Stirn an, indem Sie Ihre Augenbrauen ganz leicht nach oben ziehen.
Lassen Sie die Anspannung kurz wirken.
Mit dem nächsten Ausatmen entspannen Sie wieder.

Spannen Sie jetzt Ihre Augen an, indem Sie diese leicht zusammendrücken.
Spüren Sie die Anspannung?
Beim nächsten Ausatmen lassen Sie die Augenmuskeln wieder ganz locker.

Pressen Sie nun leicht die Zähne zusammen.
Halten Sie diese Spannung kurz.
Nun entspannen Sie wieder.

Pressen Sie nun die Zunge leicht an den Gaumen.
Halten Sie die Spannung kurz.
Und entspannen Sie wieder.

Bewegen Sie nun Ihren Kopf leicht nach Vorne. Bringen Sie Ihr Kinn in Richtung Ihrer Brust.
Spüren Sie die Anspannung?
Beim nächsten Ausatmen entspannen Sie wieder.

Spannen Sie nun Ihre Nackenmuskeln an, indem Sie Ihre Schultern nach oben ziehen.
Fühlen Sie die Anspannung?
Nun lassen Sie wieder los.

Kommen wir nun zur Bauchmuskulatur.
Spannen Sie Ihre Bauchmuskeln an.
Spüren Sie die Anspannung?
Nun entspannen Sie wieder.

Spannen Sie jetzt Ihren Rücken an, indem Sie den Bauch nach vorne schieben und ein leichtes Hohlkreuz machen. Fühlen Sie wie Ihre Muskeln sich anspannen?
Beim nächsten Ausatmen lassen Sie wieder los.

Spannen Sie nun Ihre Gesäßmuskulatur an.
Spüren Sie die Anspannung?
Nun wieder entspannen.

Kommen wir nun zu den Beinen.
Spannen Sie Ihren rechten Fuß an, indem Sie Ihn leicht nach vorne beugen.
Halten Sie die Spannung kurz.
Und entspannen Sie wieder.

Spannen Sie Ihre rechte Wade an, indem Sie Ihren Fuß leicht nach oben ziehen.
Beim nächsten Ausatmen wieder Entspannen.

Spannen Sie nun Ihren rechten Oberschenkel an.
Beim nächsten Ausatmen lassen Sie Ihn wieder los.

Kommen wir nun zum linken Bein.
Spannen Sie Ihren linken Fuß an, indem Sie Ihn leicht nach vorne Beugen.
Fühlen Sie die Anspannung und lassen Sie wieder los.

Spannen Sie Ihren linke Wade an, indem Sie sie leicht nach oben ziehen.
Und nun entspannen Sie wieder. Lassen Sie alle Anspannung aus Ihrer Wade entweichen.

Zum Abschluss spannen Sie Ihren linken Oberschenkel an.
Beim nächsten Ausatmen lassen Sie wieder los. Lassen Sie die Muskeln in Ihrem Oberschenkel ganz locker und entspannt.

Kommen Sie nun aus der Entspannung zurück.

Strecken und räkeln Sie sich, wie morgens beim Aufstehen.

Atmen Sie tief ein und aus.

Öffnen Sie nun Ihre Augen.

Sie sind nun wieder ganz wach und frisch.


Beim ersten Mal bin ich genau bis zur Gesäßmuskulatur gekommen, dann war ich weg. Da ich nicht geschnarcht habe, wie manch anderer Patient, merkte ich daran, dass ich von der Therapeutin nicht geweckt wurde. Erst zum Schluss, als sie die Stimme erhob, um uns wieder in die Realität zurückzuholen, wurde ich wach.
Ihr seht, auch das war eine sehr angenehme Therapie.

Nun komme ich mal zu den langen Wochenenden. Zweimal in den fünf Wochen war ich einfach mal zu Hause, wo ich mich an meinem kleinen Liebling und seiner Mama erfreuen konnte.

An einem WE war mein Schatz bei mir und hat ein paar Ausflüge mit mir gemacht. Ich wollte gerne mal nach Schwerin und der Wunsch wurde mir erfüllt. Am zweiten Tag waren wir in Waren und Röbel, da schlug das alte Seglerherz meines Schatzes gleich viel höher und es wurden Erinnerungen wach. Ich glaube alles wollte ich gar nicht wissen. grins

Meine Freundin Marianne hat mich an einem WE wieder in die "Anstalt" gebracht und blieb dann auch bis Montag, wo sie mich zu jeder Behandlung begleitete und beim Krafttraining sogar ein paar Fotos machte. Beim Gedächtnistraining durfte sie sogar mitmachen.
Leider hat es an dem Tag sehr stark geregnet, sodass ein Spaziergang mit ihr nicht möglich war. Glück für mich, so konnte ich noch eine herrliche Massage und Fußmassage von ihr genießen, sie hat nämlich goldene Hände. Insgesamt tat mir ihr Besuch sehr gut, denn wir haben viel gelacht und sie hat auch meine Raucherfreunde kennengelernt, da sie immer brav mitkam.

Tja und an meinem letzten WE habe ich einen Ausflug nach Warnemünde mitgemacht, den ich ebenfalls sehr genossen habe, denn ich liebe Warnemünde. Ich war sogar auf dem Leuchtturm. Fisch- und Eisessen stand natürlich auch auf meiner Liste und natürlich die Leute beobachten, bei einer schönen Tasse Milchkaffee, eingewickelt in einer Decke, denn es war a...kalt. Trotzdem ein schöner Nachmittag.
Am nächsten Tag, dem Muttertag kam dann mein großer Süßer, worüber ich hoch erfreut war, zumal er am Abend noch nach Köln zurückmusste, der Ärmste.
Aber wir hatten eine schöne Zeit und haben mal wieder schön gequatscht. Ich habe es genossen. Danke mein Söhnchen!

Jetzt hätte ich ja beinahe den Vatertag vergessen, der war ja auch noch in meiner letzten Woche. Da haben sich ein paar R-Freunde gesucht und gefunden und dachten sich so, man könnte ja mal nach Meyenburg fahren, da solle ja mächtig was los sein. Gedacht und getan, obwohl es auch an diesem Tag sehr kalt war. Nun ja es hielt sich mit der Stimmung sehr in Grenzen und so sind wir nach einer Stunde weitergezogen und haben uns in Wittstock im Steakhaus ein wenig aufgewärmt. Ich sage euch, wir sind durch Dörfer gefahren, da sah man keine Menschenseele, geschweige feiernde Väter.
Bei BTB war an diesem Tag immer mehr los, egal bei welchem Wetter. Was soll es im nächsten Jahr gibt es wieder einen Vatertag und ich werde dann wieder in meinem Verein mit den Mädels feiern, so Gott will, gell?

So ihr Lieben Leser, das soll es mal gewesen sein, mehr weiß ich nicht mehr denn "HIV" soll heißen "ha ick vajessen".

Hier nun noch ein paar Fotos für euch
.

7 Kommentare:

  1. Schön Schön! Sehr ausführlich und anschaulich vielen Dank die Photos sind das Highlight! Kannst ruhig mal öfter was in diesem Blog schreiben :-) LG Ari

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  2. Zunächst einmal: schickes Design!!!! Deines Blogs meine ich.
    Dann habe ich auch sogleich eine Frage: Hat die Therapeutin euch den Text der "Einschlafübung" für zum zu hause üben mitgegeben oder hast Du jetzt das Superwoman-Gedächtnis?
    Ansonsten kann ich nur sagen, ich will auch mal!!!!
    Und die Medijet-Massage kenne und liebe ich auch sehr. Fotos sind klasse, auch die von deinem Schatz.
    Freu mich, dass Du wieder da bist.
    Gruß und Kuss von Beate

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  3. Beate: Ja das hat sie. Aber den Text habe ich aus dem Netz kopiert.
    Ich war ja froh, dass ich das andere noch zusammenbekommen habe.
    Die Hydrojetmassage ist auf nem Wasserbett, keine Matte.
    Ja ich bin auch sehr froh wieder hier zu sein, obwohl ich mich an das unstrukturierte Leben erst mal wieder gewöhnen muss. Ich merke das daran, dass ich einfach zu wenig trinke, Wasser natürlich!

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  4. Stine hast uns ja toll informiert.Für mich sehr anschauliche Darstellung ,weil ich doch einiges selbst gesehen habe bei meiner Kurzvisite bei Dir.So ein Gedächtnistraining habe ich dort erprobt.Wäre gern noch länger dort Begleiter Deiner Therapiestunden gewesen.Danke für Deine Beschreibung des Einschlafmonologs.ich gönne Dir diese Genesung von ganzem Herzen. auch ich will gern noch viele fröhliche Stunden mit Euch verbringen ,denn ich habe dich ja erst in diesem Jahr wiedergefunden.Habe aus der Zeit im Internat vor 40 Jahren noch einiges in Erinnerung,(aber ganz bestimmt keinen Missbrauch durch unsere Lehrer).Lass uns daran lachend unser Gedächtnis trainiern.Freue mich schon auf das Kennenlernen Deiner Kinder und ein hoffentlich Erkennen Deiner Geschwister,die ich alle auch auf diesem Wege grüsse MR
    PS.Danke für den Nachhilfeunterricht im Bloggen

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  5. Hallo liebes Tinchen,
    natürlich ist die Massage auf einem Wasserbett, das weiß ich! Und mit "ich will auch mal" wollte ich nicht sagen, dass ich krank sein möchte, sondern zur Kur, Reha oder whatever. Ich könnte das auch mal gebrauchen.
    Ich hoffe, Du wirst bald wieder gesund oder zumindest in der Lage sein, Dein Schiksal zu ertragen.
    Ich hab' Dich lieb!
    LG von mir

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  6. Ich danke dir, meine Süße und verspreche dir, ich gebe mir alle Mühe.

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