17.03.2008

Das Leben nach dem Umzug

Was macht ein Mensch, nach dem er umgezogen ist?



Richtig - er macht sich mit seiner neuen Umgebung vertraut, geht sich ordnungsgemäß anmelden und wenn er glücklicher Besitzer eines Autos ist, was ja heute fast jeder von sich behaupten kann, dann geht er auch zu seinem zuständigen Straßenverkehrsamt, wie es hier auf dem Lande so heißt, und meldet sein Fahrzeug um. Ok, gehen ist leicht untertrieben, das zuständige SVA befindet sich natürlich einige Kilometer entfernt in der nächsten größeren Stadt und man sollte schon ganz genau wissen, was man für Unterlagen benötigt, sonst macht man diesen Weg zweimal, wie mir geschehen.



Der Besuch im Einwohnermeldeamt war schon ein Erlebnis. Eigentlich war herrliches Wetter, welche zu einem Spaziergang durch den Ort einlud.

Eine Anmeldung konnte ja nicht so lange dauern, dachte ich und nach getaner Arbeit lässt es sich viel ruhiger bummeln, dachte ich und begab mich in dieses Amt, zog eine Nummer, sah nur vier Leute sitzen und freute mich auf meinen Bummel danach.



Ein Wartender telefonierte und wie man dem Gespräch entnehmen konnte, da laut genug, dauerte dieses schon eine Weile.



Nun gut, dachte ich, die Nr. 624 leuchtete seit ich das Amt betreten hatte , ich zog die 628, hast du noch einen Moment Zeit, in der herrlichen Frühlungsluft bei einem Zigarettchen die Sonne zu genießen. Ich hätte zehn Zigaretten rauchen können, die Nr. 624 leuchtete immer noch und ein wichtigtuender Beamter rannte telefonierend, laut natürlich, ständig rein und raus.

Die 624 leuchtete immer noch und es waren schon dreißig Minuten vergangen.

So langsam machte ich mir Sorgen, ob wohl da drinnen etwas passiert ist, vielleicht jemand gerade sein Kind bekommt oder die andere Kollegin in Ohnmacht gefallen ist, denn der eifrig telefonierende Beamte rannte immer noch rein und wieder raus, aber sein Telefonat schien privat zu sein denn die Lautstärke ließ es zu, dass jeder es hören konnte.



Und die 624 leuchtete immer noch und der Warteraum füllte sich unaufhörlich.

Einige Mütter, deren Kinder einen Termin zum Training hatten, verließen murrend die heiligen Hallen.

Und die 624 leuchtete immer noch.



Meine dritte Zigarette im Sonnenschein war verglüht, es zogen graue Wolken auf, der Bummel durch meinen neuen Wohnort im strahlenden Sonnenschein rückte in weite Ferne.



Plötzlich leuchtet die 625 auf, obwohl niemand das Zimmer verlassen hatte, na wenn das nicht Hoffnung bedeutet, dachte ich, oder soll nun das Ganze wieder von Vorn beginnen?



Nicht ganz, denn nach einer weiteren halben Stunde war ich endlich an der Reihe. Der zuvor eifrig telefonierende Beamte war mein Bearbeiter und der war sehr nett, wenn er nicht dauernd durch irgendwelche Anrufe von seiner Arbeit abgelenkt worden wäre, hätte ich sein Büro sicher in zehn Minuten verlassen können, so waren es dreißg, aber der Beamte war wenigstens freundlich, was man von mir fast nicht mehr behaupten konnte.

Mein Lächeln sah für den genauen Betrachter sehr gequält aus. Nun ja, die Uhren auf dem Lande ticken halt anders, oder nicht?



Das mit dem Bummeln durch meinen neuen Wohnort im Sonnenschein hatte sich erledigt, denn die grauen Wolken entluden sich mit einem kräftigen Hagelschauer.

Also auf ein Neues...

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